Den Weg in die Integration erleichtern

Eröffnungsfeier im Haus „Madiba“ Betreuung junger Flüchtlinge ohne Familie

Neun junge Flüchtlinge aus Afghanistan und Eritrea wohnen seit Anfang August im Haus „Madiba“. Be­treut werden sie dort von Mitarbeitern des Jugend­hilfe-Vereins „Let’s go“ aus Brilon-Wald. Am Freitag stellten sich „die Jungs“ den Höringhäusern vor.

VON THOMAS KOBBE

Waldeck-Höringhausen. „Sie sind noch etwas schüchtern. Aber sie freuen sich total, dass sie heute so viele Besucher will­kommen heißen können“, be­grüßte Britta Mohr, Vorstands­mitglied des gemeinnützigen Ju­gendhilfeträgers, stellvertretend für die neun Jugendlichen, die Gäste der Eröffnungsfeier. Zu­sammen mit der Familie Al- Homssi hatten sie Spezialitäten aus ihren Heimatländern zube­reitet. Mit ihren Betreuern führ­ten sie die Gäste durch die Räu­me.

Toleranz und Versöhnung

Im Erdgeschoss hatten sie bis zuletzt an der Wandgestaltung gewerkelt. Das Gedicht „In- victus“ (Unbezwungen) von William Ernest Henley schrie­ben sie in schwarzen Buchsta­ben auf die gelbe Wand. Die letzten Zeilen lauten übersetzt: „Ich bin der Herr meiner Seele und der Kapitän meines Schick­sals“. Es ist das Gedicht, dessen Zeilen Nelson Mandela die Kraft gaben, die jahrzehntelange Haft zu ertragen. Mandelas Clanna­me lautete „Madiba“.

Der Name der „Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, wie es im Amts­deutsch heißt, wurde mit Be­dacht gewählt. Wertmaßstäbe, die sich an Toleranz und der Be- ‚ reitschaft zur Versöhnung ori­entieren, sollen den 15- und 16-Jährigen helfen, nach dem menschenverachtenden Unrecht, das sie auf ihrer mitunter jahrelangen Flucht erlebt haben, 1 wieder „Kapitän ihres Schicksals“ zu werden. „Wir wollen den Weg in die Integration er­leichtern und ihnen individuelle Zukunftsperspektiven geben“, nannte Britta Mohr als Ziele ih­rer sozialpädagogischen Betreu­ung.

Im Mittelmeer zu ertrinken: Diese furchtbare Perspektive ge­hörte noch vor wenigen Mona­ten zum Leben des 15-jährigen Hannibals, der in bewegenden Worten seine Fluchtgeschichte schilderte. Aus Eritrea in den Sudan, dann an die libysche Küste, von dort mit 500 anderen Flüchtlingen in einem Boot – Richtung Sizilien. Die italieni- sche Marine fischte sie nach  neun Stunden auf. Seine erste  Rede auf Deutsch schloss der  große Fußballfan mit den Wor-  ten: „Danke für den Rückhalt,  den Sie mir geben. Ich hoffe, Gott wird Ihren Weg erhellen.“

Geschenke für Gastgeber
, Madiba steht für alles, was junge Flüchtlinge brauchen, um sich wohl zu fühlen“, sagte Kreis­beigeordnete Hannelore Behle in ihrem Grußwort. „Was kön­nen wir von den Jungs‘ mitneh­men?“, fragte Waldecks Bürger­meister Jörg Feldmann, um zu verdeutlichen, das Integration keine Einbahnstraße sein kann. Überdies können vor allem im direkten Kontakt Ängste auf bei­den Seiten ganz schnell abge­baut werden.

Das zeigte sich im Festzelt auf dem Hof der Einrichtung ges­tern überdeutlich. Vertreter der heimischen Vereine, aus Schu­len und Behörden, Nachbarn, Freunde und Helfer genossen die Gastfreundschaft im Haus „Madiba“ Beim traditionellen Teichfest des SPD-Ortsvereins hatten die jungen Flüchtlinge vor kurzem bereits erste Kon­takte zu den Höringhäusern ge­knüpft. Daraus entstand bei den Sozialdemokraten die Idee, mit einem Teil des Erlöses den Sprachunterricht zu fördern, den Lehrer Wilfried Schuppe den Afghanen und Eritreern gibt. Im großen Paket, das Orts­vereinsvorsitzender Stefan Be­cker gestern überreichte, steckte ein Multifunktions-Recorder.

Ein weiteres Geschenk hatte Joachim Missler mitgebracht. Er lud „die Jungs“ zur nächsten Ausfahrt der Höringhäuser Schlepperfreunde mit den Oldtimer-Treckern ein

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Neun junge Flüchtlinge aus Afghanistan und Eritrea werden vom Team um Gruppenleiter Ro Alognon (r.) in Höringhausen betreut Der 39-Jährige kam 2003 aus Togo nach Bremen, studierte und engagierte sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung. Fotos: Kobbe

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Viele interessierte Besucher nutzten die Gelegenheit, sich im Haus „Madiba“ umzusehen.