2023 WLZ 08. 02. Ein Trainer in Glaubensdingen geht

Pfarrer Hohmeister wird am Wochenende verabschiedet

VON JÖRG SCHÜTTLER

Auch in der Gitarrengruppe ist Pfarrer Hohmeister aktiv. Der Musik will er im Ruhestand noch mehr Zeit schenken. Foto: Schüttler

Nieder-Werbe„Diese Region und insbesondere das frühere Kirchspiel Basdorf, Nieder- und Ober-Werbe sind mir in den 37 Jahren zur Heimat geworden. Es war der längste Zeitabschnitt in unserem Leben, an diesem Ort“, sagt Pfarrer Werner Hohmeister, der am 12. Februar, ab 14 Uhr, in einem Gottesdienst am „Haus der Natur“ in Nieder-Werbe in Ruhestand verabschiedet wird.
„Es gab damals mehr Bewerber als Stellen. Ich habe mich auf das Neue gefreut, und mir ist die Freude entgegengeschlagen“, erinnert er sich an seine Ankunft 1985. Gemeindemitglieder hätten ihn nach seiner Ordination in Bad Hersfeld abgeholt. Ein Jahr später zog die Familie ins neue Pfarrhaus. Ehefrau Claudia half vor ihrem Berufseinstieg als Lehrerin bei der Gemeindearbeit mit: „Sie hat unsere noch heute bestehende Mutter-Kind-Gruppe und das Frauenfrühstück ins Leben gerufen, beim Advents- und Osterbasteln wie in der Weltgebetstagarbeit mitgewirkt und auch meinen Dienst mitgetragen.“
Gern denkt Werner Hohmeister an Familienfreizeiten, Ausflüge und Zeltlager mit vielen Kindern und Konfirmanden zurück. „Von denen sind inzwischen manche in der Gemeinde bis hin zum Kirchenvorstand aktiv“, berichtet er mit Freude. Es habe sehr viele engagierte und auch langjährige Mitarbeiter im Küsterdienst, bei der Arbeit mit Kindern und in der Kirchenmusik gegeben.
Zu seinen letzten Gemeindegottesdiensten in Nieder-Werbe, Ober-Werbe und Basdorf seien so viele Menschen gekommen, „dass ich ein bisschen überwältigt war.“
Nach den Gemeindegottesdiensten tauschten die Menschen in Nieder-Werbe, Ober-Werbe und Basdorf bei Mittagsimbiss oder Kaffeetrinken mit ihrem Pfarrer und seiner Frau manche Erinnerung aus. In bedachten und herzlichen Grußworten, Liedvorträgen und symbolischen Geschenken kamen viel Anerkennung und Wertschätzung zum Ausdruck.
Auch manch lustige Begebenheit wurde hervorgeholt. Ein Vater wollte von seinem kleinen Sohn einmal wissen, wie der Besuch des Pfarrers im Kindergottesdienst gewesen sei und ob der Pfarrer nun immer komme. Die Antwort: „Nein Papa, was denkst du denn? Der trainiert doch die Großen.“ Hohmeister fügt hinzu: „Leider geht jetzt mein ‘Traineramt’ als Pfarrer zu Ende; aber da wir zunächst noch hier wohnen können, ist es schön zu erleben, dass das ‘Spiel’ weitergeht.“ Im Ruhestand möchte er seinem Interesse an der Musik nachgehen und mehr Zeit für Familie und vor allen Enkel haben.

Seit 2009 in der Notfallseelsorge engagiert

2009 wurde Werner Hohmeister im Zusatzauftrag mit der Wahrnehmung und Koordination der Polizei- und Notfallseelsorge im Landkreis beauftragt.
Häufig waren er und seine Kollegen in besonderer Weise mit Tod und tragischen Unglücksfälle, wie Ertrinken im Edersee, aber auch mit Suiziden konfrontiert: „Todesnachrichten haben wir in der Regel zusammen mit der Polizei den Angehörigen überbracht.“ Besonders bleibt ihm die gute Zusammenarbeit der Notfallseelsorger, zu denen neben den Pfarrern auch ehrenamtliche Mitarbeiter im Oberen Edertal oder das KIT-Team Bad Wildungen zählen, mit Polizei, Rettungsdienst, Leitstelle und Feuerwehren in Erinnerung. Ausdrücklich dankt er „allen Einsatzkräften und Kollegen sehr für ihren oft schwierigen, aber beherzten Dienst.“
Zu besonders nachwirkenden Situationen gehörten die Amokfahrt in Volkmarsen während des Rosenmontagszuges 2020 mit über 120 Verletzten und die Amokfahrt in Berlin 2022, bei der eine Lehrerin aus Bad Arolsen starb und mehrere Schüler verletzt wurden. Bei beiden tragischen Ereignissen waren mehrtägige Einsätze mit Begleitung und Betreuung notwendig. Hohmeister: „Bei vielen Dingen sind wir Menschen sprachlos und ratlos, aber Notfallseelsorge kann ein erster Halt sein und auch ein Hinweis auf einen größeren Halt, auf den, der unsere Welt und unser Leben empfängt.“  sj

Zur Person

Werner Hohmeister wurde 1957 in Breitenbach im Landkreis Hersfeld-Rotenburg geboren. Nach seinem Studium der Theologie in Marburg und Vikariat in Amönau und Warzenbach (Marburger Land) übernahm er 1985 die Pfarrstelle im Kirchspiel Nieder-Werbe, Basdorf und Ober-Werbe. Neben der Gemeindearbeit gehörte auch die Camping- und Urlauberseelsorge an der „Kirche im Grünen“ auf Scheid zu seinen Aufgaben. 2013 wurde er zum stellvertretenden Dekan gewählt und 2020 zum Vorsitzenden des Kirchenvorstands der neu begründeten Gesamtgemeinde Waldeck (mit 12 Ortsteilen). Seit 1978 ist er mit seiner Ehefrau Claudia verheiratet; sie haben zwei Töchter und zwei Söhne und drei Enkelkinder.  sj